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Junge Wilde

Sie könnten es sich leicht machen. Die erfolgreichen Weingüter ihrer Eltern hätten ein gemachtes Nest zu bieten, in dem man sich bequem zurücklehnen könnte. Doch sie sehen das Werk ihrer Eltern als Sprungbrett. Solide gearbeitet fungiert es als gute Starthilfe für die Erarbeitung der eigenen Kür. Ihre ebenso ehrgeizige wie anspruchsvolle Zukunftsvision: Zu den Besten zu gehören.

Daniel Sauer, Escherndorf

Für den 28-jährigen Diplom-Oenologen, der sein Studium in Geisenheim absolviert hat, ist es wichtig, den Freiraum zu nutzen, der in seiner Winzerfamilie nicht nur toleriert, sondern sogar angestrebt wird. Der Begriff "Freiraum" – das verrät ein Blick auf einen Flyer des Weingutes – bezeichnet die Freiheit die Personen oder Gruppen zur Entwicklung, Definition und Entfaltung ihrer Identität und Kreativität benötigen.

Derart gefördert verwundert es kaum, dass Daniel erst kürzlich von der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) unter zahlreichen Bewerbern und Kandidaten zum "Jungwinzer des Jahres 2011" ausgezeichnet wurde. Großes Fachwissen und zukunftsorientiertes Denken waren nur zwei der Kriterien, die es dabei von den Juroren zu bewerten galt. "Mein Studium hat mir dabei natürlich sehr geholfen", so Daniel Sauer, "aber mir ist auch klar, dass kein Studium 30 Jahre Berufserfahrung ersetzen kann". So nutzt der Jungwinzer natürlich das know-how seines Vaters Rainer Sauer, man arbeitet im Weingut als Team, unterstützt durch Ehefrau und Mutter Helga.

Das der Begriff Freiraum im Weingut Rainer Sauer tatsächlich auch umgesetzt wird, zeigt sich an einem Silvaner, den Daniel Sauer nach seinen Vorstellungen ausgebaut hat. "Schon das Outfit war eine reine Provokation für Franken", erklärt er, als er zu einer schwarzen Schlegelflasche greift. "Freiraum" prangt in großen, klaren Buchstaben auf dem Etikett der Eigenkreation. Die konsequente Umsetzung eines gelebten Credos. "Für meinen Wein müssen die Trauben perfekt sein, reif und gesund. Fünf Tage bleiben sie dann auf der Maische stehen, bevor sie weiterverarbeitet werden. Mir gefällt die exotische Note, die sich dann entwickelt", schwärmt Daniel. "Ganz viel Frucht zeigt sich da. Ein Hauch von Ananas umspielt den Gaumen. Die Kunst dabei ist, während der Reife immer wieder das Gesamtwerk vor Augen zu haben. So raffiniert, wie die exotischen Nuancen sind bleibt der Charakter des Silvaners und der Muschelkalkboden unserer Mainhänge natürlich schmeckbar".

11,5 ha Rebfläche werden im Weingut Rainer Sauer bearbeitet, 5,5 ha sind dabei aus einer Steillage. "Viel Hektar davon sind aus der Lage Escherndorfer Lump", erzählt er weiter. In seiner Freizeit liest der junge Wilde gerne Bücher und wirkt dabei so gar nicht wild, sondern eher leise und besonnen. "Was ich mir hobbymäßig noch so vorgenommen habe? Naja. Im Moment restauriere ich einen alten Schlepper meines Großvaters. Und dann sehen wir mal weiter".

Weingut Rainer Sauer

Christian Müller, Volkach

Der 25-jährige gelernte Winzer, der im nächsten Jahr zudem sein Weinbaustudium in Geisenheim beendet, hat hier wahrlich große Fußstapfen vor sich, in die es zu treten gilt. Aus dem Weingut Max Müller I stammend, hat er einen sehr gut ausgebauten Winzerweg vor sich, der erst 1991 so richtig angelegt wurde. Seine Eltern Rainer und Moni haben in den vergangenen 20 Jahren aus der ehemals kleinen Weinkellerei seines Opas und Ur-Opas eines der renommiertesten Weingüter Frankens gemacht. Christian Müller und seine Eltern haben die Aufgabe mit den „großen Fußstapfen" für ihre Familie jedoch ein bisschen anders definiert. Die Müllers, zu denen noch Christians Geschwister Michaela und Toni gehören, gehen gemeinsam, auf gleicher Augenhöhe. „Meine Eltern sind ja selbst noch relativ jung", so Christian Müller, „ und haben den Weg geebnet. Aber sie haben ihn so breit angelegt, dass man zwar jederzeit in ihre Fußstapfen treten kann, wenn man das will. Aber man kann sich auch seine eigene Spur erlaufen und ausprobieren. Das ist natürlich klasse!"

Der junge Wilde war beispielsweise nicht der gängigen Winzermeinung, dass man Weißwein, noch dazu einen Silvaner, nicht in einem neuen Holzfass ausbauen könne. „Das wollte ich gar nicht hinnehmen. Für mich ist das eine Frage der Geduld und der Zeit, die man dem Wein lässt. Heutzutage leben wir in einer stressigen Welt. Ein Wein muss so früh wie möglich auf den Markt kommen. Ich bin da anderer Ansicht. Wein ist doch nicht mit der neuen „Just-in-time"-Produktion der Industrie vergleichbar! Man muss seine Entwicklung beobachten wie bei einem Kleinkind. Nur wenn ich jedes Stadium mitbekomme, kann ich mich kümmern und seine Entwicklung fördern. Und meine Weine sind meine Babys!" erklärt Christian. Seit 2008 räkeln sich Silvaner und Weißburgunder wohlig unter seiner Obhut und entfalten sich, was das Zeug hält.

Ein Hektar steht ihm aus den 18 Hektar Gesamtanbaufläche für seine revolutionären Gedanken zur Verfügung. Seine Weine sollen durchaus die Geschmacksnerven ein bisschen provozieren, verrät er schmunzelnd. Seine „Schöpfungen" werden innerhalb der Familie natürlich auch kontrovers diskutiert. „Wir verstehen uns alle super" lacht er und legt nach. „Meistens!"

In seiner Freizeit zieht es ihn aufs Brett. Auf dem Snowboard lenkt Christian seine „Wildheit“ in geordnete Bahnen. Und dann verbindet ihn noch die Motorradleidenschaft mit seinem Vater. Genussvoll setzt sich Rainer bei ihren gemeinsamen Touren in den Beiwagen und überlässt seinem Sohn die Führung. Untertitelt mit „Wenn der Vater mit dem Sohne einmal ausgeht“ kann man einen Schnappschuss davon schon auf der Facebook-Seite des Weingutes bewundern.

Weingut Max Müller I

Daniel Then, Sommerach

Will man die Wurzeln von Daniel Then (34) finden, muss man tief graben. Im Jahr 1849 wird man fündig und weiß schließlich, dass im Hause Then Weinbau bereits in der 5. Generation betrieben wird und Rebsorten wie Silvaner und Weißer Burgunder an- und ausgebaut werden. Zusammen mit seinem Vater Arthur treibt Daniel Then seit Ende seiner Ausbildung zum Winzer den Familienbetrieb (6 ha Rebfläche) voran, immer unterstützt von Mutter Eleonore und Schwester Caroline. „Ich bin mit dem Winzerleben groß geworden“, erzählt er. „Dabei habe ich mir natürlich viel von meinem Vater abgeschaut, das ist klar. Aber ich wollte unbedingt auch das leicht verstaubte Image des Frankenweins aus den 90ern loswerden. Wir hatten früher beispielsweise hauptsächlich Literflaschenweine. Das waren geradlinige, ehrliche Schoppenweine für alle Tage. Das war natürlich gut so und die gibt es auch weiterhin. Aber ehrlichen Wein zu kreieren bedeutet ja nicht, dass man nicht auch experimentieren darf. Mit den natürlichen Potentialen spielen, die die einzelnen Rebsorten vorhalten; das wollte ich ausprobieren.“

Daniel Then sprintet dabei nicht nur schnurstracks vorwärts, sondern er besinnt sich auch auf beinahe schon Vergessenes. So hat er unter anderem die Faberrebe für sich neu entdeckt. Hier ist er zu der Erkenntnis gekommen, dass diese fruchtige, rassige Weißweinsorte noch ihre letzte Raffinesse bekommt, wenn man sie für eine gewisse Weile in einem Barriquefass vor sich hin schlummern lässt. „Damit sie nicht so alleine ist, leistet ihr im Nachbarfässchen ein Spätburgunder Gesellschaft“, verrät er mit einem Augenzwinkern. „Meine Barriqueweine haben ihre ganz eigenen Liebhaber und ich will mich hier mit namhaften internationalen Weinen durchaus messen lassen.“ Sein Vater lässt ihm freie Hand, wenn Daniel hinsichtlich des neuen, jungen Images zum Stoßlüften ansetzt. Moderne Etiketten, eine geschmackvolle Homepage, Pläne für eine Vinothek im Hinterkopf behalten, höchste Prämierungen erreichen … Nicht anderen hinterherlaufen, sondern vornedran Akzente setzen und gestalten. Der Sohn weiß ganz genau, was er will.

Seine Energie-Akkus lädt der junge Wilde in seiner Freizeit auf. „Hier habe ich meine Freunde. Mit ihnen eine Motorradtour machen, gemeinsam in Urlaub fahren, Weinfeste besuchen, zusammen Spaß haben und feiern. Das ist meine Welt“, lacht er. Und einen Hauch von dieser nimmt er auch mit, wenn er anderntags wieder in seinen Weinkeller hinabsteigt. Lautstark nimmt  ihn seine Lieblingsband AC/DC mit in ihren „Rock’n’ roll train“. Und Daniel Then lässt sich da nicht lange bitten. Er legt noch ein paar Dezibel zu und startet durch.

Weingut Arthur und Daniel Then

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