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Volkach

(ca. 9600Einwohner)

Zahlen und Fakten

Die Altstadt

 

Volkach lockt mit seinem historischen Altstadtkern Menschen aus nah und fern. Wer Volkach erkundet, trifft auf fränkische Gastronomie, Einzelhandel in seiner klassischen Form und natürlich auf eine Vielfalt von Vinotheken und Weinbars. Einige Gehminuten entfernt liegt in den Weinbergen, die Wallfahrtskirche Maria im Weingarten. Blickfang im Innenraum ist die berühmte „Madonna im Rosenkranz“. Tilmann Riemenschneider hat die Madonna geschnitzt.

 

Daten & Fakten zum Weinbau

 

Weinbaufläche: 160 ha

Winzer: 14 selbstvermarktende Winzer / 1 Winzergenossenschaft

 

Ausflugsmöglichkeiten und Aktivitäten

Entdecken Sie die vielfältigen Ausflugsmöglichkeiten der Volkacher Mainschleife. Ob Radfahren, Schiffstour, eine Wanderung oder eine Tour mit dem Kajak oder Segway - wir haben viel mit Ihnen vor! Alle wichtigen Informationen finden Sie hier:

 

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Sport & Freizeit

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Mit 9,5 Tonnen Stahl durch den Weinberg

Die Schere in der Hand, die Kiepe auf dem Rücken – viele haben dieses Bild im Kopf, wenn sie an die Weinlese denken. Doch so wird bestenfalls noch in echten Steillagen gelesen. Im Großteil der Rebflächen wird heute maschinell geerntet.

Fotos: atelier zudem Text: Jörg Beckmann

 

175 PS reichen, um die 9,5 Tonnen Gewicht des stählernen Monstrums problemlos in Bewegung zu setzen. Das hochbeinige Ungetüm erinnert ein bisschen an Star Wars, es hat jedoch im Gegensatz zu den waffenstrotzenden Kriegsgeräten aus Hollywood einen gänzlich friedlichen Zweck. Wir sitzen im ERO Grapeliner 7000, auch Traubenvollernter genannt – einem Meisterstück deutscher Ingenieurskunst.

Gemeinsam mit Philipp Götz besitzt Thomas „Jacky“ Jäcklein zwei dieser Maschinen. Der Wein- und Obstbauer aus Volkach holt damit seit über 30 Jahren die Trauben der Winzer aus der Umgebung zuverlässig von den Reben. Die Idee kam Jacky zusammen mit zwei Kollegen Ende der 1980er-Jahre auf einer Weinbaumesse im französischen Montpellier, wo er erstmals vor einem Traubenvollernter stand. Er war fasziniert von der Technik und abends diskutierten die drei über die Möglichkeiten. Ein paar Gläser Rotwein später stand der Entschluss fest: „Wir wollten auch so eine Maschine!“

 

Gesagt, getan – doch nun bedurfte es einiger Überzeugungsarbeit, den heimischen Winzern die Vorteile zu vermitteln. Im ersten Jahr erntete Jacky immerhin 40 Hektar, im dritten Jahr kam bereits eine zweite Maschine zum Einsatz. „Das Geschäft konzentriert sich auf rund vier Wochen im Jahr. In dieser Zeit sollten meine beiden Traubenvollernter möglichst rund um die Uhr im Einsatz sein“, erklärt er bei einer Tasse Kaffee. Tatsächlich kann er die Maschinen auch nachts einsetzen, was speziell in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der selbst im Herbst teilweise hochsommerlichen Temperaturen ein großer Vorteil ist.

 

„Tagsüber ist es oft so heiß, dass die Winzer das Lesegut erst kühlen müssen, bevor sie es weiterverarbeiten können. Nachts hingegen ist es kühl – auch für uns ist das natürlich viel angenehmer“, erklärt Christoph Marterstock. Er ist ebenfalls Winzer und fährt heute den Vollernter – „als Hobby“, wie er grinsend sagt.

Knapp vier Meter über dem Boden sitzen wir in der Hightech-Kabine, ausgestattet mit Klimaanlage, Stereoradio, Monitor, zahlreichen Schaltern und Knöpfen sowie einer Art Joystick, über den Marterstock verschiedene Befehle auslösen kann. Auch ein Lenkrad ist vorhanden, das benutzt er jedoch hauptsächlich am Ende jeder Zeile, wenn er das Ungetüm auf engstem Raum wenden muss; die Vorderräder schaffen einen Lenkeinschlag von 90 Grad. „In der Zeile aktiviere ich die Lenkautomatik. Die funktioniert mit Ultraschallsensoren sowie zwei schwingend gelagerten Tastern, die bei Berührung durch Reben unmittelbar eine Lenkkorrektur auslösen“, so der Winzer.

 

Die automatische Lenkung ist deshalb so wichtig, damit sich der Fahrer auf den Ernteprozess konzentrieren kann. Zum Beispiel darauf, dass sich der Koloss nicht nach rechts oder links neigt. „Der Grapeliner ist kein Auto – der Schwerpunkt ist extrem hoch, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Und wir fahren hier nicht auf einer asphaltierten Straße. Es gibt Unebenheiten und Löcher, die ich ausgleichen muss“, erklärt Marterstock. Dazu betätigt er Fußtasten, über die er die Maschine hydraulisch bis zu 75 Zentimeter in der Höhe verstellen kann. 

 

Auf dem Monitor beobachtet er zudem ständig die verschiedenen Ernteparameter. Eine der Anzeigen gibt Alarm: Die Abbeermaschine ist ausgefallen. Sie trennt die Weinbeeren von Stielen und Blättern, damit im 2.200 Liter fassenden Edelstahl-Traubentank ausschließlich die Beeren landen. Marterstock öffnet das Gerät und entfernt ein großes Stück Holz, dann geht es ohne Störung weiter. Auf diese Weise fahren wir Zeile für Zeile konstant mit rund 4 km/h ab – mit Tempomat. „Wichtig ist, mit gleichmäßiger Geschwindigkeit zu fahren, damit wir alle Trauben ernten“, so Marterstock. Was überrascht: Es landen tatsächlich nahezu alle Trauben im Tank. Und wer glaubt, dass die Rebstöcke danach wie gerupft aussehen, der irrt. Über eine Rüttelvorrichtung schüttelt die Maschine die Trauben von den Rebstöcken, ohne irgendwelche Schäden an den Pflanzen zu hinterlassen. Eine Fördereinrichtung transportiert das Lesegut rund drei Meter nach oben in die Abbeermaschine.

Was mit dem Grapeliner allerdings auf der Strecke bleibt, ist die Romantik der Weinlese aus früheren Jahren. „Da war die ganze Familie schon frühmorgens im Wengert und hat bei der Lese geholfen. Nach den ersten anstrengenden Stunden gab es dann eine Brotzeit im Weinberg. Man saß beisammen, erzählte und dann ging es wieder weiter“, so der Winzer. „Dafür brauchen wir heute für einen Hektar nur etwa eineinhalb Stunden. Würden wir die gleiche Fläche wie früher in Handarbeit lesen, kämen rund 100 bis 150 Arbeitsstunden zusammen“, erläutert Marterstock. „Entscheidend für uns Winzer ist auch, dass wir dank der modernen Technik den optimalen Erntezeitpunkt bestimmen können. Haben die Trauben den gewünschten Reifegrad erreicht, können wir sie innerhalb weniger Tage lesen.“

 

Was für die Winzer ein Vorteil ist, bedeutet für Thomas Jäcklein mitunter Stress. „Ich bin Dienstleister, der seine Kunden zufriedenstellen muss und will. Schwierig wird es, wenn mehrere Winzer gleichzeitig auf die Idee kommen, am nächsten Tag um vier Uhr morgens mit der Lese beginnen zu wollen. Aber irgendwie haben wir das bisher immer hinbekommen.“

Technische Daten ERO Grapeliner 7000

 

Höhe mit Kabine, Maschine komplett abgesenkt: 3,82 m

Gesamtlänge: 4,50 m     

Gesamtbreite: 2,55 m

Leergewicht ohne/mit Abbeermaschine: 8.970 kg/9.500 kg

Antrieb: Elektronisch geregelter EMR®-Motor (DEUTZ®), 

6 Zylinder, 6.057 cm3, 129 kW/175 PS, Abgasstufe EURO 5

Tankinhalt: 340 Liter (Diesel)

Verbrauch: ca. 14 Liter/Stunde

Geschwindigkeit: max. 40 km/h

Preis: > 300.000 Euro

Die Arbeit im Weinberg

Von der Rebe bis zum fertigen Wein ist es ein langer Weg. Die (maschinelle) Lese ist nur eine Aufgabe und beschränkt sich auf wenige Wochen im Jahr. Bis dahin sind die Arbeiten im Weinberg vielfältig:

 

Rebschnitt: In reiner Handarbeit schneidet der Winzer noch im Winter die Reben zurück, um ein Gleichgewicht zwischen Wachstum, Ertrag und Reife zu erzielen.

 

Rebenerziehung und Binden: Ab März beginnt der Winzer damit, die Fruchtruten zu biegen und mit einem Draht zu befestigen. So erreicht er eine gleichmäßige Verteilung der Triebe.

 

Bodenbearbeitung: Im Frühjahr erfolgen die Auflockerung und Düngung des Bodens, denn die Reben wachsen am besten in einem lockeren, gut durchlüfteten, humus- und nährstoffreichen Boden.

 

Laubarbeiten: Nach der Blüte Ende Juni beginnt der Winzer mit dem Laubschnitt. Er entfernt die Blätter zum Teil, damit die Reben gut durchlüftet werden. Das verringert die Gefahr des Pilzbefalls. Bis zur Lese stehen Schädlings- und Pilzbekämpfung im Vordergrund.

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